Digitale Gemeinde

Andacht zum Gemeindeabend am 14.01.2021

Hier findet ihr eine Andacht von unserem Gemeindemitglied Henriette zum Thema “Wasser”.

Ich stehe morgens auf und koche mir einen Tee. Dann gehe ich ins Bad, putze Zähne und dusche ausgiebig. Nach dem Frühstück wasche ich ab und, naja, aufs Klo muss man ja auch hin und wieder. Es ist verblüffend, wie viel Wasser ich alleine in der Stunde zwischen dem Weckerklingeln und dem Gang zur Uni schon verbrauche. In einem reichen Land, wie dem unseren ist es selbstverständlich, dass tagtäglich sauberes und nach Bedarf auch warmes Wasser aus der Wand kommt. Da habe ich mich doch sogar dabei ertappt, dass ich etwas enttäuscht und unzufrieden war, als ich vor ein paar Monaten aufgrund einer Störung nur noch lauwarmes Wasser aus der Dusche prasselte.

Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie verwöhnt wir doch sind. Dieses Luxusgut Wasser ist für uns längst schon eine Selbstverständlichkeit. Wir nutzen es in unserem Alltag in Massen, ohne darüber nachzudenken und verschwenden es gewissenlos. Wenn ich daran denke, wie in vielen südlichen Urlaubsländern zahllose Poolanalgen und Goldplätze mit dem kostbaren Nass überflutet werden, während nebenan die Wiesen und Felder verdorren, führt mir das die Absurdität unseres Verhaltens erst recht vor Augen.

Im vergangenen Sommer erst mussten wir selbst erfahren was es heißt monatelang sehnsüchtig an den strahlend blauen Himmel zu blicken, ob nicht vielleicht doch mal eine Regenwolke aufzieht. Die Bauern haben um die Ernte auf ihren Feldern gebangt und selbst unsere Wiese zuhause war nur noch ein Fleckchen staubiger Erde, was ich in meinen 20 Jahren dort s auch noch nicht erlebt habe. Gott sei dank konnten wir unsere Blumenbeete weitestgehend retten, da ja immer noch genug Wasser da ist, wenn man den Hahn aufdreht. Aber in vielen Ländern funktioniert das nicht so. Während wie uns darum sorgen, ob die Blümchen im Garten vertrocknen, haben die Menschen in Afrika weitaus schlimmere Probleme, wenn sie täglich vielleicht kilometerweit laufen müssen, um an ein Minimum von Trinkwasser zu gelangen.

Dass Wasser lebensnotwendig und sehr kostbar ist vergessen wir in den Industrieländern gerne mal, wo es ständig zur Verfügung steht – zumindest noch, denn in Zeiten des Klimawandelns sollten wir nicht davon ausgehen, dass alles so bleibt wie es ist. Stattdessen sollten wir diese existenzielle Gabe mehr zu schätzen wissen und dankbar sein für dieses Geschenk Gottes. Wasser ist doch schon irgendwie eine heilige Sache. Damit meine ich nicht nur, dass wir es notwendigerweise brauchen. Auch in unserer Religion spielt es eine wiederkehrende Rolle.

Das beginnt schon mit der Taufe. So wie Wasser ein Symbol für Leben und Gedeihen ist. Seht auch die Taufe da als Zeichen neuen Lebens in der Beziehung mit Gott. Dem Wasser wird auch oft eine segnende und schützende Wirkung zugeschrieben. Nicht umsonst verwendet man in der katholischen Kirche Weihwasser zur Bekreuzigung, wodurch an die Taufe erinnert werden soll. Aber auch die reinigende Wirkung sollte nicht vergessen werden. Dabei ist diese nicht nur wortwörtlich gemeint, weil man sich mit Wasser vom sichtbaren Dreck befreien kann. Nicht selten spricht man davon, sich reinzuwaschen von den Sünden. Des Weiteren trifft man häufig darauf, dass Jesus als lebendiges Wasser bezeichnet wird oder dass, wer von dem Wasser trinkt, das er gibt, niemals mehr durstig sein wird.

Doch die Bibel zeigt uns auch eine andere Seite auf, die ebenfalls zum Waser gehört: In der Geschichte über die Sintflut und den Sturm auf den See Genezareth, wo die Jünger in Angst verfallen, während Jesus seelenruhig weiterschläft, werden und deutlich die Zerstörungskraft und die Gefahr, die vom Wasser ebenso ausgehen können, vor Augen geführt.

Das Wasser ist eben doch eine Naturgewalt, die wir Menschen nicht beeinflussen können, so wie wir auch Gott nicht beeinflussen können. Wobei wir Menschen doch so gerne unsere Macht überschätzen.

Bei diesen Beispielen zeigt sich allerdings, dass das Wasser eine Sache ist, der wir mehr oder weniger ausgesetzt sind, ob nun zu viel oder zu wenig vorhanden ist, und die es zu schützen gilt.