Digitale Gemeinde

Andacht zum Pfarrerabend, 02.07.2020

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Liebe Gemeinde, im Folgenden findet ihr die Andacht von V Lea zum heutigen Pfarrerabend, der der Frage “Was macht mich reich?” gilt. Viel Spaß beim Lesen!

In meiner Freizeit verbringe ich gerne mal etwas Zeit auf Youtube – manchmal mehr als mir lieb ist – und schaue dort gerne Videos des amerikanischen Jazzmusikers Charles Cornell. Dieser verfügt über ein sogenanntes absolutes Gehör, mit dessen Hilfe er u.a. (satirischerweise) ein Predigtvideo des amerikanischen Pastors Kenneth Copeland vertonte. Darin „bläst“ Copeland das Coronavirus hinfort und gibt an, die USA nun vom Coronavirus geheilt zu haben. Neben seinen, sagen wir mal, interessanten Ansichten zur Pandemie ist aber noch etwas anderes an Copeland interessant: Er ist Multimillionär und Anhänger der prosperity theology, zu Deutsch das „Wohlstandsevangelium“. Das heißt, dass sein Reichtum seiner Auffassung nach Gottes Wille ist, gar vorherbestimmt oder „Gegenleistung“ zu seinen religiösen Anstrengungen. Laut Wikipedia ist es in dieser Strömung fast wichtiger „eigene Segnungen zu erleben und Geschenke zu empfangen […] als Gott […] zu ehren.“

Ich finde das allein beleuchtet schon einen interessanten Aspekt zum Thema Reichtum, und zwar die Frage nach materiellen und geistigem bzw. geistlichem Reichtum und wie beides zusammen gedacht werden kann.

Die Bibel, besonders das Neue Testament, hat dazu eine klare Meinung. Da finden sich Sätze wie „Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“ (Lk 12,15) oder „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt 6, 19-21). Und fast jeder kennt das Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr. Das widerspricht natürlich vollkommen dem, was die Anhänger der prosperity theology glauben – das ist aber, denke ich, auch nicht weiter verwunderlich. Trotzdem ist es doch interessant zu gucken, wie eine Strömung im Christentum so entgegen der Bibel existieren kann. Wahrscheinlich sagt das auch viel über unsere Zeit aus: Gerade in der heutigen Zeit spielen Wohlstand und Reichtum eine besondere Rolle. Nicht nur in unserer Gesellschaft driften Arm und Reich immer weiter auseinander. Auch in der Welt klafft eine große Schere zwischen Arm und Reich: während wir in Deutschland z.B. darüber diskutieren, welche Bücher unsere Kinder lesen sollen, sammeln auf den Philippinen täglich tausende Kinder in hochgiftigen, biologisch toten Gewässern Plastikflaschen, an denen sie nicht mehr als täglich 90ct verdienen.

Hinzu kommt: Wir leben, zumindest in der westlichen Gesellschaft in einer, in der viele ihr Glück von weltlichen Reichtümern abhängig machen – wie ja auch die prosperity theology eindrücklich zeigt. Aber mal an die eigene Nase gefasst: Wer von uns will nicht auch, dass es ihm oder ihr gut geht – und noch mehr? Wir alle hängen doch irgendwie an den weltlichen Reichtümern, die uns gehören, unserer Kleidung, unserem Handy, unserem Geschirr, unserer Bettwäsche, usw. Und wer von uns wäre nicht gern selbst reich, wenigstens mal für einen Tag eine Villa mit Pool und keine Frage im Hinterkopf, wie man die nächste Miete bezahlen soll?

Doch sind wir nicht schon auf eine ganz andere Art und Weise reich?

Die letzten paar Tage habe ich das Buch Josua gelesen, also die Geschichte, wie Josua das Volk Israel über den Jordan in das ihnen versprochene Land führt. In einem Bibelkommentar über das Buch habe ich dann einen Satz gelesen, der erstaunlich gut zum heutigen Thema passt. Dort heißt es: „Die Überschreitung des Jordans ist oft als Symbol des Sterbens verstanden worden; hilfreicher und den Tatsachen mehr entsprechend ist jedoch, die Überquerung des Flusses als ein Sinnbild für den Eintritt in ein Leben der Fülle und des Segens zu verstehen, in welches der ‚Herzog unserer Seligkeit‘ (Hebr 2,10) uns schon jetzt führen will. Zur Erlösung gehören für den Christen auch Sieg, Reichtum und zur-Ruhe-Kommen ‚in Christus‘.“ Seitdem hat mich die Phrase „Reichtum in Christus“ gedanklich nicht mehr losgelassen. In einem haben die Wohlstandsevangelisten recht: Gott kann reich machen – aber eben nicht (nur) materiell!

Digitale Gemeinde

Andacht zum Gemeindeabend, 18.06.2020

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Hier findet ihr die Andacht von Judith, einer unserer V’s, zum heutigen (Literatur-)Gemeindeabend.

„Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“

Da ich diese Woche viel mit meinem Vortrag für die Uni beschäftigt war, habe ich erst heute Zeit zum Schreiben dieser Andacht gefunden. Gestern Abend wollte ich mir eigentlich schon Gedanken dazu machen, aber ich war echt müde und eher mit meinen Gedanken bei meinem anstehenden Vortrag. Da ist mir der Spruch: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“ eingefallen.

Damit habe ich mich erst einmal vertröstet und habe Gott gebeten mir vielleicht über Nacht eine Idee für eine Andacht zugeben.

Heute Morgen hatte ich dann zwar keine wirklich neue Idee, sondern ich hab mir den Spruch zum Thema gemacht.

„Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“, der Spruch steht sogar in der Bibel in einem Psalmen von Salomo. Psalm 127,2.

Zum einen drückt der Spruch aus, was oft in der Bibel durchscheint. Wer auf Gott vertraut und an ihn glaubt, dem wird an nichts mangeln. Seinen Kindern gibt Gott also sozusagen alles „im Schlaf“, ohne dass sie etwas dafür tun müssen, außer zu glauben und zu vertrauen.

Und dieses „alles“ kann viel bedeuten. Zum einen kann das leibliche Wohl sein, also das Gott einen mit materiellen Dingen und Gesundheit versorgt. Es können aber auch irgendwelche Ideen sein oder Anweisungen, Warnungen, vielleicht sogar Prophezeiungen.

Wie viele Menschen in der Bibel haben Träume? Jakob, Josef sein Sohn, Daniel, Joseph der Vater Jesu und auch Heiden wie der Pharao in Ägypten, Nebukadnezar oder die Frau von Pilatus.

Alle hatten Träume, die ihnen Gott im Schlaf gegeben hat.

Zum andern regt der Spruch auch zum Schlafen an, zum zur Ruhe kommen.

In dem hebräischen Urtext und der Vulgata seht nämlich: „Cum dederit dilectis suis somnum“ statt „in somno“. Ich spreche zwar weder Latein noch Hebräisch, aber das „somnum“ – Schlaf heißt bekomme ich noch zusammen. Der Spruch lautet also eigentlich: „Den Seinen gibt er Schlaf.“.

Man soll also einfach mal schlafen, sich ausruhen. Mal nicht alles selber machen sondern auch mal was an andere abgeben, an Gott abgeben. Denn Gott will auch etwas für uns tun. Er will nicht das wir uns verausgaben und dabei ausbrennen, bis wir nur noch irgendwelche wandelnden Zombies sind.

So war es z.B. fast bei der ICF-Gemeinde in Leipzig. Diese Freikirche feiert ihren Gottesdienst in einem Studio des MDR. Das heißt sie müssen jeden Sonntag alles auf- und abbauen. Stühle, Bühne, Licht, Technik, Bar, …. Das bedeutet die Ersten fangen um 5 Uhr an mit aufbauen und die Letzten gehen dann 20 Uhr. Blöd nur wenn die Ersten und die Letzten Personen dieselben sind. Nach mehreren Wochen und Monaten in dieser Unterbesetzung von Mitarbeitern, konnten die meisten einfach nicht mehr. Sie hatten das zwar gern gemacht, aber ihnen fehlte ihr Ruhetag. Sie wollten auch einfach mal einen Tag nur zum Gottesdienst gehen, dort Kraft tanken und dann zuhause sich mal ausruhen. Die Mitarbeiter der Gemeinde waren ausgebrannt und kurz vor dem Zerfall.

Zum Glück hat es die Gemeinde geschafft. Hat Leute zusammen getrommelt, so dass nicht mehr der Erste der Letzte sein musste.

Denn Gott will, dass wir fröhlich durchs Leben gehen und ihm gerne dienen und dazu gehören eben auch Ruhepausen. Auch Gott hat sich bei seiner Schöpfung den 7.Tag zum Ruhetag genommen.

Wenn Gott sich schon einen Ruhetag nimmt, wie nötig haben es es dann die Menschen erst sich etwas Pause und Schlaf zu gönnen?

Das heißt jetzt nicht, dass wir nur noch faul herum liegen sollen, im Vertrauen darauf, dass Gott schon alles richten wird. Aber wir dürfen Pausen einlegen, in denen wir bewusst zur Ruhe kommen, Kräfte tanken und mit frischem Elan wieder durchstarten. Denn so können wir Gott viel besser dienen, als als irgendwelche Zombies in unseren Fantasyromanen.

Digitale Gemeinde

Andacht zum Gemeindeabend am 28.05.2020

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Hallo liebe Leute,

ich freue mich, dass ihr alle den Weg zu dieser Andacht gefunden habt.

Wie ihr sicher mitbekommen habt, haben wir den Gemeindeabend, der eigentlich für Himmelfahrt vorgesehen war, auf diese Woche verschoben. Deshalb schließt meine Andacht auch thematisch an Himmelfahrt an, allerdings nicht nur. Hört selbst.

Viel Spaß!

Eure Lea

Andacht Audio

Digitale Gemeinde

Hoffnungsvoll in den Abend

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Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der ESG,

was hat der 14. Juli 1789 mit Gott zu tun?

Bestimmt könnte man da so einiges finden, ich möchte aber auf etwas hinaus, an was sicher die wenigsten von euch gerade gedacht haben. An diesem Tag, dem 14. Juli, fand in Paris der Sturm auf die Bastille statt – soweit klar. Und am selben Tag, genau 197 Jahre später, wurde in einer weiteren (mehr oder weniger) europäischen Metropole, nämlich London, Dan Smith geboren. Dieser ist der Sänger der britischen Indie-Rock-Band Bastille.

2016 veröffentlichte die Band ihr 2. Album, Wild World, aus dem ich euch heute ein Lied zeigen möchte:

Neulich saß ich mit meinem Freund im Auto, wir hörten das Album, bis der Song „The Anchor“ gespielt wurde. Beide lauschten wir etwas der Musik, bis ich zu meinem Freund sagte: „Man könnte meinen der singt von Gott.“ Witzigerweise habe ich das Lied vorher noch nie so wahrgenommen – ich dachte immer, er singt von einem guten Freund. Lauscht man aber genauer, dann ist, finde ich, die Message ziemlich klar. Ich finde es faszinierend, was Kunst für Ausdrucksmöglichkeiten und Worte finden kann, um Gott darzustellen.

Jetzt will ich aber weiter keine großen Worte machen, sondern euch einfach dieses Lied mit auf den Weg geben. Hörtes euch an und bildet euch eure eigene Meinung

Eure Lea

“The Anchor”, Bastille

Lyrics:
Let those fools be loud
Let alarms ring out
‘Cause you cut through all the noise
Let the days be dark
Let me hate my work
‘Cause you cut through all the noise

Bring me some hope
By wandering into my mind
Something to hold onto
Morning, noon, day, or night

You were the light that is blinding me
You’re the anchor that I tie to my brain
‘Cause when it feels when I’m lost at sea
You’re the song that I sing again and again
All the time, all the time
I think of you all the time

Let the parties end when we lose our friends
‘Cause you cut through all the noise
Let the years roll on ’till the static comes
‘Cause you cut through all the noise

Bring me some hope
By wandering into my mind
Something to hold onto
Morning, noon day, or night

You were the light that is blinding me
You’re the anchor that I tie to my brain
‘Cause when it feels when I’m lost at sea
You’re the song that I sing again and again
All the time, all the time
I think of you all the time
All the time, all the time
I think of you all the time

Bring me some hope
By wandering into my mind
Something to hold onto
Morning, or day, or night

You were the light that is blinding me
You’re the anchor that I tie to my brain
‘Cause when it feels when I’m lost at sea
You’re the song that I sing again and again
All the time, all the time
I think of you all the time
All the time, all the time
I think of you all the time


lyrics:  https://www.songtexte.com/songtext/bastille/the-anchor-3b0838e0.html

Bild: Pflastermosaik in Freiburg unter einem Kruzifix an St, Martin am Rathausplatz, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mosaik_Glaube,_Liebe,_Hoffnung.jpg

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Andacht zum 26.03.2020 – Digitale Gemeinde, Folge 4

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Hallo liebe Leserinnen und Leser,

Ich freue mich, dass ihr euch ein paar Minuten Zeit nehmt, um diese Andacht zum digitalen Gemeindeabend zu lesen und mit mir zusammen ein paar Gedanken nachzuhängen! Auch ich komme nicht umhin, die Coronakrise zu erwähnen – häufig bestimmt sie zurzeit unser alltägliches Leben. So sitze ich z.B. gerade nicht in Leipzig und schreibe diesen Text, sondern ich habe mich für die kommenden Wochen bei meinem Freund in Kamenz einquartiert. Sicher werdet auch ihr das herrliche Wetter der letzten Tage bemerkt und vielleicht auch genutzt haben. Wir beide machen jeden Tag einen kleinen Spaziergang, das lässt sich hier gut machen: schnell ist man aus der Stadt auf dem Feld und hat von der hügeligen Umgebung einen wunderschönen Blick auf den glasklaren Himmel und sattgrüne Felder. Solch ein Anblick bot sich uns auch gestern:

Warum aber erzähle ich euch das überhaupt? Nun, auf diesem Spaziergang begegneten wir nicht nur der schönen Landschaft, sondern auch einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte: Unser Spaziergang führte uns durch das Kamenzer Herrental. Dort kann man heute ein Denkmal besichtigen. Denn an diesem Ort richtete die SS in einer stillgelegten Tuchfabrik im November 1944 ein Außenlager des KZ Groß-Rosen ein. In diesem Außenlager mussten KZ-Häftlinge, u.a. französische Restistance-Kämpfer oder Kriegsgefangene, unter widrigsten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten und Flugzeugmotoren produzieren. Mindestens 182 Häftlinge fielen dieser „Vernichtung durch Arbeit“ in Kamenz zum Opfer. Seit 2011 ist die ehemalige Außenstelle eine Gedenkstätte und noch immer mahnt der hohe Schornstein die dort begangenen Verbrechen.

Hinein in die traurige und bedrückende Atmosphäre fällt aber ein Zitat, das erst gar nicht so recht in diese Stimmung passen möchte. Tritt man an das Denkmal heran, begegnet einem folgende Gedenktafel:

Pavel Stránský, der diese Worte sagte, ist in seinem Schicksal eng mit dem Holocaust verbunden und hat eine wahre Odyssee des Grauens in seinem Leben erfahren. 1921 wurde er in Prag geboren, absolvierte einen Schnellkurs zum Volksschullehrer und wurde 1941 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort heiratete er seine Lebensgefährtin Véra. 1943 folgte die Deportation nach Auschwitz-Birkenau mit Frau und Schwiegermutter. Hier wurde er Betreuer im Kinderblock. Nach Selektion und Trennung von Véra folgte die Überstellung zur Zwangsarbeit ins KZ Schwarzheide 1944. Er überstand vom 18. April bis 8. Mai 1945 den Todesmarsch zurück nach Theresienstadt. Im Juli desselben Jahres gelang das Wiedersehen mit seiner Frau. Bis zu seinem Tod 2015 war er als Reiseführer in Theresienstadt und Lidice tätig.

Als ich zu diesem Zitat die Lebensgeschichte des Sprechers las, war ich tief berührt. Dieser Mann hatte Schlimmeres erfahren, als wir uns es vielleicht vorstellen können, ein unfassbares und unsagbares Leid. Und trotzdem – sogar in diesem Elend gelang es ihm noch, Liebe zu finden, zu heiraten. Stránský sagt in einem Interview, dass er lange nicht über das reden konnte, was er im Ghetto oder im KZ erlebt hat. Doch nach Jahrzehnten findet er seine Stimme wieder, und dann sagt er Sätze wie „Das wichtigste im Leben ist die Liebe“. Es scheint so, dass gerade vor dem Hintergrund des Elends, des Bösen und Schlimmen in dieser Welt, das Licht der Liebe am hellsten scheint.

Erstaunlich finde ich ebenfalls, dass Stránský von der Liebe zu Gott spricht. Viele Holocaust-Überlebende zürnten ihrem Gott oder verloren ganz ihren Glauben – etwas, was ich nur zu gut nachvollziehen kann. Pavel Stránský aber fand einen Sinn in der Zuwendung zu anderen – und zu Gott. Dabei kommt mir ein Bibelvers in den Sinn:

„Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1 Johannes, 4:16).

Das gibt Hoffnung, dass hinter allem Schlimmen, das in der Welt passiert ist, und das auch heute noch passiert, doch ein Sinn steckt. Und dass sich Ungerechtigkeit, Unfriede, Hass und Neid durch Toleranz, Verständnis, Freundschaft überwinden lassen.

Lasst auch uns täglich die Liebe in all ihren Facetten suchen und finden.

Eure Lea