Digitale Gemeinde

Andacht zum Gemeindeabend am 21.01.2021

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Viel Spaß beim Lesen der Andacht unserer V Lea!

Dieses Gitarrenriff, diese Melodie und Mick Jaggers Nuschelstimme dazu kennt wohl jeder von uns. Das 1965 erschienene Lied der Rolling Stones wurde für die Band der erste Nummer-1 Charterfolg in den USA und ist heute wohl einer der ikonischsten Songs der Welt.

Kürzlich habe ich dieses Lied morgens beim Abwaschen gehört – einer jener Momente, in denen man verstärkt auf den Liedtext achtet – und war überrascht davon, welche Botschaft eigentlich in diesem Lied steckt. Da singt Mick Jagger zum Beispiel:

I can’t get no satisfaction
‘Cause I try and I try and I try and I try […]

A man comes on the radio
He’s tellin’ me more and more
About some useless information

oder

When I’m watchin’ my TV
And a man comes on and tells me
How white my shirts can be

I Can’t get no satisfaction – Ich finde keine Befriedigung. Keine Zufriedenheit, keine Genugtuung, kein Behagen. Keine Erfüllung. Keine Glückseligkeit. Das sagt der Protagonist des Liedes. Sinnlose Informationen kommen ihm aus dem Radio entgegen und im Fernsehen erzählt ihm ein Mann, wie weiß seine T-Shirts sein können.

Es ist fast schon spannend und irgendwie traurig, wie gut dieser Text auch auf die heutige Zeit noch passt. Auch wir werden oft zugeschüttet mit nutzlosen Informationen, mit Werbung, Kaufaufrufen, Angeboten, Nonsens. Und Corona macht das nicht gerade besser: Werbung begegnet uns auch im Internet überall, Algorithmen analysieren unsere Interessen und der nächste Kauf ist nur einen Klick entfernt. Nur allzu leicht kann man sich verlieren im Kaufrausch, in der Jagd nach dem nächsten Schnäppchen, in dem Gefühl, dass diese Models doch eigentlich immer viel besser aussehen als man selbst – egal, was man trägt oder wie viel man abnimmt. Gefangen im Selbstoptimierungswahn.

Seien wir mal ehrlich: manchmal macht es glücklich, das Shoppen, das Konsumieren, sogar das Selbstoptimieren, ohne Frage. Kürzlich habe ich sogar in einem Artikel über den Black Friday gelesen, dass wir evolutionär darauf programmiert seien, uns alles zu sichern, was wir kriegen können. Und im Angesicht wirtschaftlicher Unsicherheiten sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier im November, Einkaufen könne auch patriotisch sein. Aber: bringt das (langfristige) Befriedigung?

Ich muss oft an den Gemeindeabend Anfang des letzten Wintersemesters denken, als zwei Nonnen aus dem Kloster St. Marienthal bei uns in der ESG zu Besuch waren. Damals erzählte die eine Ordensschwester, dass sie vor ihrem Eintritt ins Kloster viel Geld verdient und die halbe Welt gesehen, sogar Silvester auf dem Times-Square verbracht habe. Aber sie habe immer eine Leere in sich gefühlt.

Vor zwei Wochen fragte Herr Zimmermann, Friedensbeauftragter der Evangelisches Landeskirche Sachsen, auf dem Gemeindeabend, wo wir uns sicher fühlen würden. Interessanterweise dachten dabei einige von uns an ein Kloster oder eine Kirche. Nicht umsonst steckt ja auch das Wörtchen „Frieden“ in „Befriedigung“.

Das sind für mich nur zwei Beispiele aus Erfahrungen anderer und eigenen Erfahrungen, die mir bestätigen: wirkliche Befriedigung oder Erfüllung, die kann es nur bei Gott geben. Bei Gott sind wir angenommen, egal, wer wir sind. Gott sorgt für uns – was machen wir uns Gedanken um Kleidung, Haare oder Schmuck?

Jesus Christus sagt: Wer irgend aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit. (Johannes 4,14)

Was für ein Zuspruch! Jeder Durst gelöscht, egal ob körperlich, geistig, moralisch, sozial, seelisch – und zwar (bis) in Ewigkeit.  

Dieser Zuspruch Gottes, den können wir schon jetzt in unserem Leben erfahren. Deshalb lasst uns ab und zu mal innehalten, wenn wir uns wieder erschlagen und eingekesselt von Nonsens oder einfach ungenügend fühlen – und lasst uns uns vergegenwärtigen, dass Gott bereits eine Lösung für uns hat. Und zwar seine Liebe, in der alle bei ihm angenommen sind. Und dann bleibt das Lied der Stones „nur“ Gesellschaftskritik und wird nicht zum düsteren Sinnbild unserer Existenz. We can get Satisfaction!

Digitale Gemeinde

Andacht zum Gemeindeabend am 14.01.2021

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Hier findet ihr eine Andacht von unserem Gemeindemitglied Henriette zum Thema “Wasser”.

Ich stehe morgens auf und koche mir einen Tee. Dann gehe ich ins Bad, putze Zähne und dusche ausgiebig. Nach dem Frühstück wasche ich ab und, naja, aufs Klo muss man ja auch hin und wieder. Es ist verblüffend, wie viel Wasser ich alleine in der Stunde zwischen dem Weckerklingeln und dem Gang zur Uni schon verbrauche. In einem reichen Land, wie dem unseren ist es selbstverständlich, dass tagtäglich sauberes und nach Bedarf auch warmes Wasser aus der Wand kommt. Da habe ich mich doch sogar dabei ertappt, dass ich etwas enttäuscht und unzufrieden war, als ich vor ein paar Monaten aufgrund einer Störung nur noch lauwarmes Wasser aus der Dusche prasselte.

Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie verwöhnt wir doch sind. Dieses Luxusgut Wasser ist für uns längst schon eine Selbstverständlichkeit. Wir nutzen es in unserem Alltag in Massen, ohne darüber nachzudenken und verschwenden es gewissenlos. Wenn ich daran denke, wie in vielen südlichen Urlaubsländern zahllose Poolanalgen und Goldplätze mit dem kostbaren Nass überflutet werden, während nebenan die Wiesen und Felder verdorren, führt mir das die Absurdität unseres Verhaltens erst recht vor Augen.

Im vergangenen Sommer erst mussten wir selbst erfahren was es heißt monatelang sehnsüchtig an den strahlend blauen Himmel zu blicken, ob nicht vielleicht doch mal eine Regenwolke aufzieht. Die Bauern haben um die Ernte auf ihren Feldern gebangt und selbst unsere Wiese zuhause war nur noch ein Fleckchen staubiger Erde, was ich in meinen 20 Jahren dort s auch noch nicht erlebt habe. Gott sei dank konnten wir unsere Blumenbeete weitestgehend retten, da ja immer noch genug Wasser da ist, wenn man den Hahn aufdreht. Aber in vielen Ländern funktioniert das nicht so. Während wie uns darum sorgen, ob die Blümchen im Garten vertrocknen, haben die Menschen in Afrika weitaus schlimmere Probleme, wenn sie täglich vielleicht kilometerweit laufen müssen, um an ein Minimum von Trinkwasser zu gelangen.

Dass Wasser lebensnotwendig und sehr kostbar ist vergessen wir in den Industrieländern gerne mal, wo es ständig zur Verfügung steht – zumindest noch, denn in Zeiten des Klimawandelns sollten wir nicht davon ausgehen, dass alles so bleibt wie es ist. Stattdessen sollten wir diese existenzielle Gabe mehr zu schätzen wissen und dankbar sein für dieses Geschenk Gottes. Wasser ist doch schon irgendwie eine heilige Sache. Damit meine ich nicht nur, dass wir es notwendigerweise brauchen. Auch in unserer Religion spielt es eine wiederkehrende Rolle.

Das beginnt schon mit der Taufe. So wie Wasser ein Symbol für Leben und Gedeihen ist. Seht auch die Taufe da als Zeichen neuen Lebens in der Beziehung mit Gott. Dem Wasser wird auch oft eine segnende und schützende Wirkung zugeschrieben. Nicht umsonst verwendet man in der katholischen Kirche Weihwasser zur Bekreuzigung, wodurch an die Taufe erinnert werden soll. Aber auch die reinigende Wirkung sollte nicht vergessen werden. Dabei ist diese nicht nur wortwörtlich gemeint, weil man sich mit Wasser vom sichtbaren Dreck befreien kann. Nicht selten spricht man davon, sich reinzuwaschen von den Sünden. Des Weiteren trifft man häufig darauf, dass Jesus als lebendiges Wasser bezeichnet wird oder dass, wer von dem Wasser trinkt, das er gibt, niemals mehr durstig sein wird.

Doch die Bibel zeigt uns auch eine andere Seite auf, die ebenfalls zum Waser gehört: In der Geschichte über die Sintflut und den Sturm auf den See Genezareth, wo die Jünger in Angst verfallen, während Jesus seelenruhig weiterschläft, werden und deutlich die Zerstörungskraft und die Gefahr, die vom Wasser ebenso ausgehen können, vor Augen geführt.

Das Wasser ist eben doch eine Naturgewalt, die wir Menschen nicht beeinflussen können, so wie wir auch Gott nicht beeinflussen können. Wobei wir Menschen doch so gerne unsere Macht überschätzen.

Bei diesen Beispielen zeigt sich allerdings, dass das Wasser eine Sache ist, der wir mehr oder weniger ausgesetzt sind, ob nun zu viel oder zu wenig vorhanden ist, und die es zu schützen gilt.

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Andacht zum Gemeindeabend – 26.11.2020

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Hier findet ihr die Andacht von unserer V Lea zum Thema der heutigen Bibelarbeit: Sexualmoral in den Paulusbriefen.

Die Menge jubelt. Die Bühne ist fast vollständig dunkel, nur ein Lichtkegel erleuchtet die Silhouette eines Menschen. Die Kamera fährt weiter an die Bühne heran, während gefühlvolle Streichermusik einsetzt. Lange Haare, eine Wespentaille und eine große glitzernde Kleiderschleppe werden sichtbar. Eine Stimme setzt ein, vielleicht etwas ungewöhnlich tief für eine Frau, aber nicht unangenehm. Das Publikum jubelt weiter, die Kamera nähert sich, das Licht wird stärker. Dann erblickt der Zuschauer eine Frau mit langen dichten Wimpern, viel Schminke, viel Lipgloss und – einem Bart.

Sechs Jahre ist diese Szene nun her. 2014 gewann der Travestiekünstler Thomas Neuwirth als seine Kunstfigur Conchita Wurst, die weder ganz Männlein noch Weiblein zu sein scheint, den Eurovision-Song-Contest. Doch nicht erst seitdem, sondern auch schon davor, und ganz besonders heute, hält die Gesellschaft die Diskussion, was eigentlich spezifisch männlich, spezifisch weiblich, was „normal“ oder „abnormal“ ist, die Gesellschaft in Atem. Die Frage der Geschlechter, der sexuellen Identitäten, ist eine der großen Fragen unserer Zeit – was sich nicht nur in unserer Sprache zeigt.

Doch wie stehen Kirche, Bibel und Christentum eigentlich dazu? Um diese Frage jetzt zu beantworten – wenn man das überhaupt tun könnte! – fehlt mir schlichtweg der Platz, aber ich möchte ein paar Anregungen geben, auf die ich in der letzten Zeit oder der „Recherche“ zu diesem Thema gestoßen bin und die uns auch in der folgenden Bibelarbeit vielleicht ein wenig helfen können: 

Homophobes Gedankengut scheint besonders stark in evangelikalen Kreisen oder sog. Ex-Gay-Bewegungen vertreten zu sein. Diese bieten oftmals Konversionstherapien an. Ziel hierbei ist, homosexuelle Neigungen „abzutrainieren“ und eine Heterosexualität zu „erreichen“. Auf Internetseiten wie der Organisation Wüstenstrom e.V., die solche hochkritisierten und von der Wissenschaft abgelehnten Therapien anbietet, findet man zum Beispiel Angebote wie die „Reise zum Mannsein“ oder die „Entdeckungsreise Frausein“ – die über ganze zwei Jahre gehen sollen.

Dann gibt es da z.B. LiMarie, Deutschlands wohl erfolgreichste Christfluencerin, die u.a. Videos dreht, in denen sie gegen Sex vor der Ehe oder das Schauen von Pornos „predigt“. In einem Interview mit PULS sagt sie Folgendes: “Also ich persönlich finde einfach, Mann und Frau passen super zusammen, fertig. Und ja klar, die Bibel sagt halt schon, dass Homosexuelle – dass Gott das nicht mag, und dass er Mann und Frau geschaffen hat. Also das vertrete ich schon auch.”

Die Plattform Youtube nutzen aber auch andere christliche Größen. Die beiden Pfarrerinnern Stefanie und Ellen Radtke leben und arbeiten in Hildesheim und sind – ganz nebenbei – auch ein lesbisches Ehepaar. Vor kurzem haben sie gemeinsam ein Kind bekommen und betreiben den Youtube-Kanal „Anders Amen“.  In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur sagte Stefanie Radtke: „Mein Glaube ist ja ein Geschenk. Das habe ich mir nicht ausgesucht, ob ich glaube oder nicht, würde ich behaupten. Dann kam die Sexualität mit dazu. Ich finde, da ist kein Widerspruch. Dafür machen wir ja unseren YouTube-Kanal […], dass wir genau das zeigen: dass sexuelle Orientierung und Kirche überhaupt kein Problem miteinander haben.“

Auch der Papst hat den Ruf der Zeit gehört. In einem Dokumentarfilm, der im Oktober diesen Jahres veröffentlicht wurde, befürwortete er die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften. “Sie sind Kinder Gottes und haben das Recht auf eine Familie. Niemand sollte wegen so etwas ausgeschlossen oder unglücklich werden”, so Franziskus. Noch 2010 äußerte er sich als Kardinal ganz anders zur Öffnung der Ehe, indem der sie als „zerstörerische Attacke auf Gottes Plan” bezeichnete.

Ich könnte ewig so weiter machen, aber am besten lässt sich die Situation vielleicht mit einem Ausspruch aus einem Interview mit der Bibelwissenschaftlerin Ilse Müllner beschreiben. In diesem Interview äußerte Müllner sich zum Neutestamentler und Jesuiten Ansgar Wucherpfennig, der 2016 die biblische Verurteilung der Homosexualität als “missverständlich formulierte Stellen” bezeichnete und dafür vom Vatikan gemaßregelt wurde. Sie sagt, dass die Sicht auf die Homosexualität viel mit der Auslegung der Bibel zu tun hat:

„[Es ist ein Problem,] dass Zitate scheinbar wortwörtlich gelesen und ohne jeden Kontext benutzt werden. Ich finde es alarmierend, wenn einzelne biblische Sätze aus einem komplexen System herausgerissen und in der Sexualethik angewandt werden. Warum findet das nicht auch gleichermaßen in der Wirtschaftsethik statt? Es gibt klare Aussagen zum Schuldenerlass in der Bibel bei Dtn 15. Warum sagt da niemand: Das müssen wir wortwörtlich nehmen und den Menschen nach sieben Jahren die Schulden erlassen? […]

Biblische Worte und Texte werden gerne als verpflichtend angesehen, wenn sie das bestätigen, was man selbst für gut hält. Tun sie das nicht, werden sie als Zeugnisse einer vergangenen Lebenswelt abgebucht. Die Aufgabe einer christlichen Kirche und ihrer Theologie ist immer, ins Gespräch mit den Texten der Bibel zu gehen und das in Sensibilität für die jeweils gegenwärtige gesellschaftliche Situation zu tun. Die Bibel ist ein Kanon aus unterschiedlichen Schriften, in denen es Spannungen und Widersprüche gibt. Diese Vielfalt ist gewollt und spiegelt die Vielfalt der Menschen auch unserer Zeit.“

Und genau das wollen wir heute tun: ins Gespräch mit der Bibel gehen – und dabei hoffentlich nicht nur Bibelzitate aus ihrem Kontext reißen!

Digitale Gemeinde

Andacht zum Gemeindeabend – 19.11.2020

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Ich habe heute sehr lange gebraucht, um ein Thema für diese Andacht zu finden. Bis ich vorhin in meine Online-Veranstaltung wollte. Da wurde ich zunächst auf eine Seite umgeleitet, wo stand, ich solle einen Moment Geduld haben, die Sitzung ginge gleich los. Und so saß ich da und wartete… und wartete… und wartete… und dann kam ich grübeln.

Ist Warten nicht etwas sehr Christliches? Bald ist wieder Advent. Da warten wir auf die Ankunft von Jesus Christus. Ich hab mal gegoogelt und tatsächlich findet sich auf der Seite der EKD ein ganzer Artikel mit dem Titel »Warten in der Bibel« (https://www.ekd.de/advent-das-warten-in-der-bibel-best-of-bible-uwe-birnstein-31075.htm).

Ich will den hier nur ganz kurz zusammenfassen: »Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.« (Psalm 145, 15). Das ist ein Vers, aus dem ganz viel Optimismus hervorsticht, dass Gott rechtzeitig kommt und alles gut wird. »Das Warten den gerechten wird Freude werden, aber der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein.« (Sprüche 10, 28). Aus diesem Vers geht hervor, wer gottgefällig lebt, kann sich auf das Himmelreich freuen. Das Warten hat sich dann also gelohnt.

Das Warten ist in der Bibel also immer mit etwas Positivem verknüpft. Da stellt sich mir die Frage: Warum ist das so? Ich empfinde warten nicht immer positiv. Klar, es gibt die Vorfreude, man wartet auf ein schönes Ereignis. Aber oft bin ich auch genervt, z.B. wenn der Zug mal wieder Verspätung hat und ich warten muss. Dann langweile ich mich. Generell sind Langeweile und Warten für mich stark miteinander verknüpft. Und sei es dann nur das Warten darauf, dass überhaupt etwas passiert. Warum können Menschen überhaupt Langeweile empfinden? Das muss ja einen evolutionären Vorteil gebracht haben. Und tatsächlich regt Langweile die Kreativität an. Der beste Beweis ist diese Andacht glaube ich. Und so ist das Warten doch immer irgendwie positiv, selbst wenn wir das nicht unmittelbar so empfinden. Für mich hat sich das Warten heute übrigens nicht gelohnt. Nach 20 Minuten hatte ich keine Lust mehr zu warten. Stattdessen habe ich diese Andacht geschrieben.

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Andacht zum Gemeindeabend – 12.11.2020

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Liebe Gemeinde,

im Folgenden findet ihr die Andacht von unserer V(erantwortlichen) Judith zum heutigen Gemeindeabend:

„Meine Schafe hören meine Stimme“

Als Kind habe ich oft eine Kassette mit einer vertonten Bibelgeschichte gehört. In diesem Fall das Gleichnis vom verloren Schaf. In dem es um 99 Schafe geht, die der Hirte zurücklässt, um ein verirrtes Schaf aus den Dornen zu befreien, um es zurück zur Herde zu führen. Dabei stellen die Schafe die Glaubenden dar. Der Hirte ist Gott und das verlorene Schaf ist ein umkehrender Sünder. 

Am Ende dieser Geschichte wurde immer ein Lied gespielt, das mir in den letzten Tagen wieder sehr oft in den Sinn gekommen ist. Dort heißt es im Refrain:

„Meine Schafe hören meine Stimme und sie kennen mich und sie folgen mir. Und ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen. Und sie werden nimmermehr umkommen.“

Diese Liedzeilen sind eigentlich wortwörtlich die Bibelstelle Joh. 10, 27-28 vertont (das Lied zum Anhören hier: https://www.youtube.com/watch?v=tBb9MiYQRiU). Und diese paar Liedzeilen haben es wirklich in sich, da sie eigentlich eine direkte Anleitung geben, wie wir, also die Schafe, das ewige Leben erlangen können. Und zwar muss man eigentlich nur Gottes Anweisungen hören, verstehen und ausführen.

Doch um ehrlich zu sein scheitere ich oft schon am ersten Punkt. Oft nehme ich mir nicht die Zeit einfach einmal zur Ruhe zu kommen und Gott in der Stille zu mir sprechen zu lassen. Meistens lässt man sich lieber treiben vom Alltag und allen Dingen die unbedingt erledigt werden müssen. Oder man vertreibt sich die Zeit mit dem Lesen eines Buches, dem Schauen einer Serie oder dem Hören von Musik. Wenn ich es dann einmal doch schaffe, mit Gott zu reden, ist das Gespräch eher recht einseitig und oft texte ich ihn ununterbrochen zu ohne Antworten abzuwarten.

Wenn man Gott dann schon einmal hört, muss man natürlich auch noch verstehen, was er zu einem sagt. Wenn Gott einem aber z.B. nur ein Bild, sendet kann das manchmal echt schwierig werden. Das Problem hatten auch schon einige andere in der Bibel mit Träumen. Z.B. der Bäcker und der Mundschenk im Gefängnis, als Josef ihnen schlussendlich die Träume deutet. Oder auch der König Nebukadnezar, dessen Träume Daniel deutete. Man merkt, die Deutenden waren immer Menschen, die fest im Glauben standen und einen „heißen Draht“ zu Gott hatten – also, den Schlüssel um Gott zu verstehen ist, ihn immer besser kennen zu lernen und im Glauben zu wachsen. Das geht z.B., indem man sich näher mit der Bibel auseinandersetzt. Durch sie bekommt man wenigstens eine Ahnung davon, wer und wie Gott ist bzw. besser, wie er nicht ist.

Zum Schluss folgt dann die Tat. Indem man aktiv das ausführt, was Gott einem sagt. Auch ein Punkt, mit dem ich oft zu kämpfen habe. Da manches eben auch einfach unbequem ist. Z.B. das kostenlose downloaden von Musik aus dem Internet. Bequem und günstig – aber eigentlich schon Diebstahl. Oder ein Vordrängeln in der Mensa – egoistisch und nicht gerade nächsten lieb. Oder wenn man beim Bafög-Amt weniger Barvermögen angibt. Vorteilhaft für den Geldbeutel – aber schon ein heftiges Anlügen des Staates und nebenbei bemerkt ganz schön gierig.

Oft tun wir nicht das, was Gott uns rät, weil „das ja alle so machen“ – und schaden damit eigentlich am meisten uns Selbst. Da man sich so sowohl die diesseitige als auch die ewige Zukunft verbaut. Natürlich können wir nicht alles perfekt nach Gesetz machen. Das versuch die Juden schon seit Jahrhunderten. Das verlangt Gott auch gar nicht. Aber wir können uns zumindest so gut es geht anstrengen, seine Anweisungen auszuführen und einmal versuchen, den inneren Schweinehund zu bezwingen.

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Andacht zum Pfarrerabend, 02.07.2020

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Liebe Gemeinde, im Folgenden findet ihr die Andacht von V Lea zum heutigen Pfarrerabend, der der Frage “Was macht mich reich?” gilt. Viel Spaß beim Lesen!

In meiner Freizeit verbringe ich gerne mal etwas Zeit auf Youtube – manchmal mehr als mir lieb ist – und schaue dort gerne Videos des amerikanischen Jazzmusikers Charles Cornell. Dieser verfügt über ein sogenanntes absolutes Gehör, mit dessen Hilfe er u.a. (satirischerweise) ein Predigtvideo des amerikanischen Pastors Kenneth Copeland vertonte. Darin „bläst“ Copeland das Coronavirus hinfort und gibt an, die USA nun vom Coronavirus geheilt zu haben. Neben seinen, sagen wir mal, interessanten Ansichten zur Pandemie ist aber noch etwas anderes an Copeland interessant: Er ist Multimillionär und Anhänger der prosperity theology, zu Deutsch das „Wohlstandsevangelium“. Das heißt, dass sein Reichtum seiner Auffassung nach Gottes Wille ist, gar vorherbestimmt oder „Gegenleistung“ zu seinen religiösen Anstrengungen. Laut Wikipedia ist es in dieser Strömung fast wichtiger „eigene Segnungen zu erleben und Geschenke zu empfangen […] als Gott […] zu ehren.“

Ich finde das allein beleuchtet schon einen interessanten Aspekt zum Thema Reichtum, und zwar die Frage nach materiellen und geistigem bzw. geistlichem Reichtum und wie beides zusammen gedacht werden kann.

Die Bibel, besonders das Neue Testament, hat dazu eine klare Meinung. Da finden sich Sätze wie „Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“ (Lk 12,15) oder „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt 6, 19-21). Und fast jeder kennt das Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr. Das widerspricht natürlich vollkommen dem, was die Anhänger der prosperity theology glauben – das ist aber, denke ich, auch nicht weiter verwunderlich. Trotzdem ist es doch interessant zu gucken, wie eine Strömung im Christentum so entgegen der Bibel existieren kann. Wahrscheinlich sagt das auch viel über unsere Zeit aus: Gerade in der heutigen Zeit spielen Wohlstand und Reichtum eine besondere Rolle. Nicht nur in unserer Gesellschaft driften Arm und Reich immer weiter auseinander. Auch in der Welt klafft eine große Schere zwischen Arm und Reich: während wir in Deutschland z.B. darüber diskutieren, welche Bücher unsere Kinder lesen sollen, sammeln auf den Philippinen täglich tausende Kinder in hochgiftigen, biologisch toten Gewässern Plastikflaschen, an denen sie nicht mehr als täglich 90ct verdienen.

Hinzu kommt: Wir leben, zumindest in der westlichen Gesellschaft in einer, in der viele ihr Glück von weltlichen Reichtümern abhängig machen – wie ja auch die prosperity theology eindrücklich zeigt. Aber mal an die eigene Nase gefasst: Wer von uns will nicht auch, dass es ihm oder ihr gut geht – und noch mehr? Wir alle hängen doch irgendwie an den weltlichen Reichtümern, die uns gehören, unserer Kleidung, unserem Handy, unserem Geschirr, unserer Bettwäsche, usw. Und wer von uns wäre nicht gern selbst reich, wenigstens mal für einen Tag eine Villa mit Pool und keine Frage im Hinterkopf, wie man die nächste Miete bezahlen soll?

Doch sind wir nicht schon auf eine ganz andere Art und Weise reich?

Die letzten paar Tage habe ich das Buch Josua gelesen, also die Geschichte, wie Josua das Volk Israel über den Jordan in das ihnen versprochene Land führt. In einem Bibelkommentar über das Buch habe ich dann einen Satz gelesen, der erstaunlich gut zum heutigen Thema passt. Dort heißt es: „Die Überschreitung des Jordans ist oft als Symbol des Sterbens verstanden worden; hilfreicher und den Tatsachen mehr entsprechend ist jedoch, die Überquerung des Flusses als ein Sinnbild für den Eintritt in ein Leben der Fülle und des Segens zu verstehen, in welches der ‚Herzog unserer Seligkeit‘ (Hebr 2,10) uns schon jetzt führen will. Zur Erlösung gehören für den Christen auch Sieg, Reichtum und zur-Ruhe-Kommen ‚in Christus‘.“ Seitdem hat mich die Phrase „Reichtum in Christus“ gedanklich nicht mehr losgelassen. In einem haben die Wohlstandsevangelisten recht: Gott kann reich machen – aber eben nicht (nur) materiell!

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Andacht zum Gemeindeabend, 18.06.2020

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Hier findet ihr die Andacht von Judith, einer unserer V’s, zum heutigen (Literatur-)Gemeindeabend.

„Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“

Da ich diese Woche viel mit meinem Vortrag für die Uni beschäftigt war, habe ich erst heute Zeit zum Schreiben dieser Andacht gefunden. Gestern Abend wollte ich mir eigentlich schon Gedanken dazu machen, aber ich war echt müde und eher mit meinen Gedanken bei meinem anstehenden Vortrag. Da ist mir der Spruch: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“ eingefallen.

Damit habe ich mich erst einmal vertröstet und habe Gott gebeten mir vielleicht über Nacht eine Idee für eine Andacht zugeben.

Heute Morgen hatte ich dann zwar keine wirklich neue Idee, sondern ich hab mir den Spruch zum Thema gemacht.

„Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“, der Spruch steht sogar in der Bibel in einem Psalmen von Salomo. Psalm 127,2.

Zum einen drückt der Spruch aus, was oft in der Bibel durchscheint. Wer auf Gott vertraut und an ihn glaubt, dem wird an nichts mangeln. Seinen Kindern gibt Gott also sozusagen alles „im Schlaf“, ohne dass sie etwas dafür tun müssen, außer zu glauben und zu vertrauen.

Und dieses „alles“ kann viel bedeuten. Zum einen kann das leibliche Wohl sein, also das Gott einen mit materiellen Dingen und Gesundheit versorgt. Es können aber auch irgendwelche Ideen sein oder Anweisungen, Warnungen, vielleicht sogar Prophezeiungen.

Wie viele Menschen in der Bibel haben Träume? Jakob, Josef sein Sohn, Daniel, Joseph der Vater Jesu und auch Heiden wie der Pharao in Ägypten, Nebukadnezar oder die Frau von Pilatus.

Alle hatten Träume, die ihnen Gott im Schlaf gegeben hat.

Zum andern regt der Spruch auch zum Schlafen an, zum zur Ruhe kommen.

In dem hebräischen Urtext und der Vulgata seht nämlich: „Cum dederit dilectis suis somnum“ statt „in somno“. Ich spreche zwar weder Latein noch Hebräisch, aber das „somnum“ – Schlaf heißt bekomme ich noch zusammen. Der Spruch lautet also eigentlich: „Den Seinen gibt er Schlaf.“.

Man soll also einfach mal schlafen, sich ausruhen. Mal nicht alles selber machen sondern auch mal was an andere abgeben, an Gott abgeben. Denn Gott will auch etwas für uns tun. Er will nicht das wir uns verausgaben und dabei ausbrennen, bis wir nur noch irgendwelche wandelnden Zombies sind.

So war es z.B. fast bei der ICF-Gemeinde in Leipzig. Diese Freikirche feiert ihren Gottesdienst in einem Studio des MDR. Das heißt sie müssen jeden Sonntag alles auf- und abbauen. Stühle, Bühne, Licht, Technik, Bar, …. Das bedeutet die Ersten fangen um 5 Uhr an mit aufbauen und die Letzten gehen dann 20 Uhr. Blöd nur wenn die Ersten und die Letzten Personen dieselben sind. Nach mehreren Wochen und Monaten in dieser Unterbesetzung von Mitarbeitern, konnten die meisten einfach nicht mehr. Sie hatten das zwar gern gemacht, aber ihnen fehlte ihr Ruhetag. Sie wollten auch einfach mal einen Tag nur zum Gottesdienst gehen, dort Kraft tanken und dann zuhause sich mal ausruhen. Die Mitarbeiter der Gemeinde waren ausgebrannt und kurz vor dem Zerfall.

Zum Glück hat es die Gemeinde geschafft. Hat Leute zusammen getrommelt, so dass nicht mehr der Erste der Letzte sein musste.

Denn Gott will, dass wir fröhlich durchs Leben gehen und ihm gerne dienen und dazu gehören eben auch Ruhepausen. Auch Gott hat sich bei seiner Schöpfung den 7.Tag zum Ruhetag genommen.

Wenn Gott sich schon einen Ruhetag nimmt, wie nötig haben es es dann die Menschen erst sich etwas Pause und Schlaf zu gönnen?

Das heißt jetzt nicht, dass wir nur noch faul herum liegen sollen, im Vertrauen darauf, dass Gott schon alles richten wird. Aber wir dürfen Pausen einlegen, in denen wir bewusst zur Ruhe kommen, Kräfte tanken und mit frischem Elan wieder durchstarten. Denn so können wir Gott viel besser dienen, als als irgendwelche Zombies in unseren Fantasyromanen.

Digitale Gemeinde

Andacht zum Gemeindeabend am 28.05.2020

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Hallo liebe Leute,

ich freue mich, dass ihr alle den Weg zu dieser Andacht gefunden habt.

Wie ihr sicher mitbekommen habt, haben wir den Gemeindeabend, der eigentlich für Himmelfahrt vorgesehen war, auf diese Woche verschoben. Deshalb schließt meine Andacht auch thematisch an Himmelfahrt an, allerdings nicht nur. Hört selbst.

Viel Spaß!

Eure Lea

Andacht Audio

Digitale Gemeinde

Hoffnungsvoll in den Abend

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Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der ESG,

was hat der 14. Juli 1789 mit Gott zu tun?

Bestimmt könnte man da so einiges finden, ich möchte aber auf etwas hinaus, an was sicher die wenigsten von euch gerade gedacht haben. An diesem Tag, dem 14. Juli, fand in Paris der Sturm auf die Bastille statt – soweit klar. Und am selben Tag, genau 197 Jahre später, wurde in einer weiteren (mehr oder weniger) europäischen Metropole, nämlich London, Dan Smith geboren. Dieser ist der Sänger der britischen Indie-Rock-Band Bastille.

2016 veröffentlichte die Band ihr 2. Album, Wild World, aus dem ich euch heute ein Lied zeigen möchte:

Neulich saß ich mit meinem Freund im Auto, wir hörten das Album, bis der Song „The Anchor“ gespielt wurde. Beide lauschten wir etwas der Musik, bis ich zu meinem Freund sagte: „Man könnte meinen der singt von Gott.“ Witzigerweise habe ich das Lied vorher noch nie so wahrgenommen – ich dachte immer, er singt von einem guten Freund. Lauscht man aber genauer, dann ist, finde ich, die Message ziemlich klar. Ich finde es faszinierend, was Kunst für Ausdrucksmöglichkeiten und Worte finden kann, um Gott darzustellen.

Jetzt will ich aber weiter keine großen Worte machen, sondern euch einfach dieses Lied mit auf den Weg geben. Hörtes euch an und bildet euch eure eigene Meinung

Eure Lea

“The Anchor”, Bastille

Lyrics:
Let those fools be loud
Let alarms ring out
‘Cause you cut through all the noise
Let the days be dark
Let me hate my work
‘Cause you cut through all the noise

Bring me some hope
By wandering into my mind
Something to hold onto
Morning, noon, day, or night

You were the light that is blinding me
You’re the anchor that I tie to my brain
‘Cause when it feels when I’m lost at sea
You’re the song that I sing again and again
All the time, all the time
I think of you all the time

Let the parties end when we lose our friends
‘Cause you cut through all the noise
Let the years roll on ’till the static comes
‘Cause you cut through all the noise

Bring me some hope
By wandering into my mind
Something to hold onto
Morning, noon day, or night

You were the light that is blinding me
You’re the anchor that I tie to my brain
‘Cause when it feels when I’m lost at sea
You’re the song that I sing again and again
All the time, all the time
I think of you all the time
All the time, all the time
I think of you all the time

Bring me some hope
By wandering into my mind
Something to hold onto
Morning, or day, or night

You were the light that is blinding me
You’re the anchor that I tie to my brain
‘Cause when it feels when I’m lost at sea
You’re the song that I sing again and again
All the time, all the time
I think of you all the time
All the time, all the time
I think of you all the time


lyrics:  https://www.songtexte.com/songtext/bastille/the-anchor-3b0838e0.html

Bild: Pflastermosaik in Freiburg unter einem Kruzifix an St, Martin am Rathausplatz, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mosaik_Glaube,_Liebe,_Hoffnung.jpg

Digitale Gemeinde

Andacht zum 26.03.2020 – Digitale Gemeinde, Folge 4

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Hallo liebe Leserinnen und Leser,

Ich freue mich, dass ihr euch ein paar Minuten Zeit nehmt, um diese Andacht zum digitalen Gemeindeabend zu lesen und mit mir zusammen ein paar Gedanken nachzuhängen! Auch ich komme nicht umhin, die Coronakrise zu erwähnen – häufig bestimmt sie zurzeit unser alltägliches Leben. So sitze ich z.B. gerade nicht in Leipzig und schreibe diesen Text, sondern ich habe mich für die kommenden Wochen bei meinem Freund in Kamenz einquartiert. Sicher werdet auch ihr das herrliche Wetter der letzten Tage bemerkt und vielleicht auch genutzt haben. Wir beide machen jeden Tag einen kleinen Spaziergang, das lässt sich hier gut machen: schnell ist man aus der Stadt auf dem Feld und hat von der hügeligen Umgebung einen wunderschönen Blick auf den glasklaren Himmel und sattgrüne Felder. Solch ein Anblick bot sich uns auch gestern:

Warum aber erzähle ich euch das überhaupt? Nun, auf diesem Spaziergang begegneten wir nicht nur der schönen Landschaft, sondern auch einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte: Unser Spaziergang führte uns durch das Kamenzer Herrental. Dort kann man heute ein Denkmal besichtigen. Denn an diesem Ort richtete die SS in einer stillgelegten Tuchfabrik im November 1944 ein Außenlager des KZ Groß-Rosen ein. In diesem Außenlager mussten KZ-Häftlinge, u.a. französische Restistance-Kämpfer oder Kriegsgefangene, unter widrigsten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten und Flugzeugmotoren produzieren. Mindestens 182 Häftlinge fielen dieser „Vernichtung durch Arbeit“ in Kamenz zum Opfer. Seit 2011 ist die ehemalige Außenstelle eine Gedenkstätte und noch immer mahnt der hohe Schornstein die dort begangenen Verbrechen.

Hinein in die traurige und bedrückende Atmosphäre fällt aber ein Zitat, das erst gar nicht so recht in diese Stimmung passen möchte. Tritt man an das Denkmal heran, begegnet einem folgende Gedenktafel:

Pavel Stránský, der diese Worte sagte, ist in seinem Schicksal eng mit dem Holocaust verbunden und hat eine wahre Odyssee des Grauens in seinem Leben erfahren. 1921 wurde er in Prag geboren, absolvierte einen Schnellkurs zum Volksschullehrer und wurde 1941 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort heiratete er seine Lebensgefährtin Véra. 1943 folgte die Deportation nach Auschwitz-Birkenau mit Frau und Schwiegermutter. Hier wurde er Betreuer im Kinderblock. Nach Selektion und Trennung von Véra folgte die Überstellung zur Zwangsarbeit ins KZ Schwarzheide 1944. Er überstand vom 18. April bis 8. Mai 1945 den Todesmarsch zurück nach Theresienstadt. Im Juli desselben Jahres gelang das Wiedersehen mit seiner Frau. Bis zu seinem Tod 2015 war er als Reiseführer in Theresienstadt und Lidice tätig.

Als ich zu diesem Zitat die Lebensgeschichte des Sprechers las, war ich tief berührt. Dieser Mann hatte Schlimmeres erfahren, als wir uns es vielleicht vorstellen können, ein unfassbares und unsagbares Leid. Und trotzdem – sogar in diesem Elend gelang es ihm noch, Liebe zu finden, zu heiraten. Stránský sagt in einem Interview, dass er lange nicht über das reden konnte, was er im Ghetto oder im KZ erlebt hat. Doch nach Jahrzehnten findet er seine Stimme wieder, und dann sagt er Sätze wie „Das wichtigste im Leben ist die Liebe“. Es scheint so, dass gerade vor dem Hintergrund des Elends, des Bösen und Schlimmen in dieser Welt, das Licht der Liebe am hellsten scheint.

Erstaunlich finde ich ebenfalls, dass Stránský von der Liebe zu Gott spricht. Viele Holocaust-Überlebende zürnten ihrem Gott oder verloren ganz ihren Glauben – etwas, was ich nur zu gut nachvollziehen kann. Pavel Stránský aber fand einen Sinn in der Zuwendung zu anderen – und zu Gott. Dabei kommt mir ein Bibelvers in den Sinn:

„Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1 Johannes, 4:16).

Das gibt Hoffnung, dass hinter allem Schlimmen, das in der Welt passiert ist, und das auch heute noch passiert, doch ein Sinn steckt. Und dass sich Ungerechtigkeit, Unfriede, Hass und Neid durch Toleranz, Verständnis, Freundschaft überwinden lassen.

Lasst auch uns täglich die Liebe in all ihren Facetten suchen und finden.

Eure Lea