Adventskalender

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Unten findet ihr die Andacht unserer V Anna-Lena zum heutigen Spiel- und Bastelabend.

Müde und nicht sonderlich motiviert sitze ich an meinem Schreibtisch, mehrere Tabs am Laptop vor mir geöffnet. Ich starre den Bildschirm an, schaffe es heute aber einfach nicht, anzufangen. Ich öffne einen neuen Tab in meinem Browser – gar nicht wissen, was ich eigentlich machen will. Mir werden beim Öffnen eines neuen Tabs immer ein paar Artikel angezeigt. Diese scrolle ich durch und bleibe an der Überschrift „Das hilft gegen Shutdown-Erschöpfung“ hängen. Darunter steht: „Fühlen Sie sich gerade schlapper, vergesslicher, dümmer als sonst? Das bilden Sie sich nicht ein. Zoom-Erschöpfung und…“ Typischer Eyecatcher, aber ich hab angebissen. In dem Artikel auf spiegel.de ging es um die sogenannte „Zoom Fatigue“ – auf Deutsch: Zoom Müdigkeit. Für diese gibt es verschiedene Gründe. Zum Beispiel kostet es uns am Bildschirm viel größere Anstrengung, nonverbale Signale, Mimik, Gestik oder Körperhaltung wahrzunehmen. Das Starren auf den Bildschirm strengt auch unsere Augen sehr an. Symptome wie Schmerzen der Augen, des Kopfes oder des Schulter- und Nackenbereiches kennen wir vermutlich alle. Auch ein zu kleiner Bildschirm, unsere Kopfhaltung oder der Abstand zum Bildschirm haben darauf Auswirkungen. Als ein weiterer Grund für Zoom-Müdigkeit werden in dem Artikel Effekte der Übertragungsverzögerung genannt. Es wird eine Studie aus 2014 angeführt, in der herausgefunden wurde, dass schon bei 1,2 Sekunden Verzögerung derselbe Sprecher unter anderem weniger freundlich, aktiv, ambitioniert und diszipliniert wahrgenommen wird. Schon erstaunlich. Ein weiterer Punkt war, dass unser Gedächtnis assoziativ arbeitet, also Erlebnisse und Inhalte miteinander verknüpft. Das bleibt im Homeoffice jedoch auf der Strecke, weil wir uns nur in der Wohnung befinden und nur zwischen Schreibtisch, Bett, Sofa, Küche und Bad pendeln. Es fehlen Reize, um Erinnerungen mit beispielsweise Orten verknüpfen und dadurch so abspeichern zu können, dass sie leichter abrufbar sind. Und auch, dass der Mensch besser lernt, wenn er sich bewegt, ist für die meisten von euch sicherlich nichts Neues.

Müde und erschöpft war sicherlich auch Maria, als sie sich mit Joseph auf den Weg von Nazareth nach Bethlehem machen musste. War es wirklich das Bethlehem in Judäa, so wie es im Lukas-Evangelium steht, dann hatten sie einen etwa 150 km langen Weg vor sich. Puh! Aber selbst die 7 km in das nahegelegene Bethlehem in Galiläa stelle ich mir für eine hochschwangere Frau schon ziemlich anstrengend vor.

Ja, klar, es ist nicht dieselbe Art von Müdigkeit und Erschöpfung und wirklich vergleichen kann man das nicht. Doch ist es nicht toll, dass wir – egal auf welche Weise wir erschöpft und müde sind – zu Gott kommen können und er uns neue Kraft gibt? In Jesaja 40, 28-31 steht: „28 Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der HERR, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. 29 Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke. 30 Jünglinge ermüden und ermatten, und junge Männer straucheln und stürzen. 31 Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.“

Auch wenn es die Zoom Müdigkeit zur Entstehungszeit des Jesaja-Buches noch nicht gab, glaube ich trotzdem, dass Gott uns auch bei solcher Erschöpfung Kraft spendet.